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Grüne Liste Bad Herrenalb e.V. (GL)

Natur und Umwelt, Landschafts- und Artenschutz waren die Themen, zu denen Anfang März die GL in die „Alte Abtei“ an der Kurpromenade zum 1.Stammtisch 2018 einlud. Die Wirtschaft hat in Bad Herrenalb viele Fürsprecher, nicht jedoch die Natur. Hier sieht sich die GL in der Pflicht. Das Verschwinden vieler Blumen, Vögel und – sehr alarmierend – der bestäubenden Insekten wie Biene, Hummel, Falter und Schwebfliege macht auch immer mehr Herrenalber nachdenklich. Etwa zehn Gäste, vorwiegend von UBV und Bürgerforum, diskutierten mit uns, worin die Ursachen liegen und was wir vor Ort tun könnten, um das Artensterben zu verlangsamen.

Nach einem kurzen Impuls von S. Eimermann-Gentil, warum der Schutz nicht menschlicher Wesen, also wilder Tiere und Pflanzen und ihrer Lebensräume, nicht allein eine moralische Verpflichtung oder ein nettes „Blümchenthema“ ist, sondern die belebte und unbelebte Umwelt schlicht die Lebensgrundlage für uns Menschen ist, die wir mit unserer Konsum-, Lebens- und Wirtschaftsweise in erschreckender Geschwindigkeit zerstören, stellten wir in der Diskussion mit den Gästen fest: Auch in Bad Herrenalb ist die (Um)Welt nicht mehr in Ordnung.

Eine Mitarbeiterin des Umweltamtes Gaggenau, zuständig für die Landschaftspflege, informierte in einem Kurzvortrag darüber, warum dringend Lebensräume für Insekten geschaffen werden müssen und mit welchen Maßnahmen dies z.B. auf öffentlichen Flächen gelingt. So sollte seltener und erst Ende Mai gemäht werden, damit Wildblumen als Insektennahrung dienen und absamen können. Vorteilhaft sei, nur abschnittsweise zu mähen, damit Insekten auf andere Pflanzen flüchten können. Dies wäre auf der Schweizer Wiese umsetzbar. Entlang der Wanderwege oder für die Pflege des Straßenbegleitgrüns wäre höheres und einseitiges Mähen sinnvoll. Das spare der Kommune auch sehr viel Geld und Zeit. Die Menschen müssten sich an „Unordnung“ gewöhnen, denn diese sichere das Überleben vieler Arten.

Als tödliche Lichtfallen für nachtaktive Insekten wie Falter kann man manche  unnötigen Straßenbeleuchtungen zwischen Waldrand und Wiese bezeichnen, z.B. am Neusatzer Höhenweg,

Eine Bedrohung stellen Pflanzen wie das giftige Jakobskreuzkraut und die invasiven Arten Adlerfarn und Japanknöterich dar. Sie verbreiten sich rasant, sind schwer zu bekämpfen und verdrängen so Blumen und Kräuter. Mulchen fördere leider die Ausbreitung dieser Pflanzen und ersticke darüber hinaus die Eier und Larven der Insekten. Ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz sei die traditionelle Offenhaltung der Landschaft mit Ziegen und Schafen.

Denn die Artenvielfalt auf unseren Wiesen ist ein Produkt der Kulturlandschaft, also geschaffen in Jahrhunderten durch kleinbäuerliche Landwirtschaft, die Schafe, Ziegen und Kühe auf Wiesen weidete, und Bauerngärten, in denen regionale Obst- und Gemüsesorten nicht nur den Bewohnern, sondern auch den Wildtieren Nahrung bot. Heute kommt das Fleisch aus der Massentierhaltung, das Gemüse wird im hiesigen Discounter/Supermarkt-Duo gekauft, Landwirte gibt es kaum noch. 

Statt naturnaher Gärten sehen wir seelenlose Neubauten inmitten tot gemähte Rasen und Designer-Steingärten: ökologische Wüsten.

Damit wären wir zweiten Thema des Abends: Die GL lehnt weiteren Flächenfraß und Bodenversiegelung durch Neubau- und Gewerbegebiete sowie Windräder ab. War man sich beim Naturschutz einig, so schlug hier die Diskussion hohe Wellen, wobei alle befanden, dass Innenentwicklung vor Neubaugebieten am Stadtrand Vorrang habe. Die beiden Gemeinderäte der GL stellten hierzu einen Antrag.

Fazit: Regional erzeugte Lebensmittel zu kaufen statt Billigfleisch oder von weither gereistes Obst ist gut für die heimische Wirtschaft UND die Natur. Hausbesitzer könnten ihre Gärten in Oasen des Lebens verwandeln und hätten damit weniger Arbeit. Die Mitglieder der GL beraten hierzu gerne. Die Kommune hat eine Veranwortung für nachhaltige Stadtentwicklung. Was Leerstandssanierung vor Neubauten betrifft, gibt es wohl noch weitere interessante Diskussionen.

Leider nahmen nur wenige BürgerInnen die Gelegenheit wahr, sich über den Schutz der Herrenalber Natur auszutauschen. Etwa alle zwei Monate läd die GL Umweltinteressierte zum öffentlichen Stammtisch. Die Termine finden Sie im Amtsblatt oder auf unserer Website http://grueneliste-badherrenalb.de/