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Leitbild der Stadt Bad Herrenalb

Präambel

Der Gemeinderat von Bad Herrenalb hat sich im Jahr 2000 für einen ganzheitlich
angelegten Stadtentwicklungsprozess mit umfassender Bürgerbeteiligung
entschieden. Bürgerinnen und Bürger waren aufgefordert, gemeinsam und auf
freiwilliger Basis über die Zukunft ihrer Stadt als soziales Gemeinwesen nachzudenken.
Jeder hatte die Chance, sich zu beteiligen.

Das Leitbild von Bad Herrenalb ist das Ergebnis eines über mehrere Monate
durchgeführten Meinungsaustausches mit der zentralen Frage: „Wohin soll sich
unsere Stadt in den nächsten 15 bis 20 Jahren entwickeln?“

Als beteiligte Bürgerinnen und Bürger haben wir zusammen mit Gemeinderat
und Stadtverwaltung einen Konsens erzielt, der lautet: Bad Herrenalb ist zuallererst
eine TOURISMUSSTADT in bevorzugter zentraleuropäischer Mittelgebirgslage
mit einem hohen Wohnwert.

Wir sind uns unserer Tradition als Schwarzwald-Heilbad und heilklimatischer
Kurort bewusst. Wir wissen auch, dass wir diese positive Herkunft an die geänderten
Rahmenbedingungen der Gegenwart anpassen müssen. Als Naherholungsgebiet
für Karlsruhe und weitere Großstädte an Rhein, Main und Neckar
bietet sich uns ein großes Potenzial, das wir nutzen werden. Kein Wirtschaftszweig
kann die sich rasant wandelnden Herausforderungen des Marktes ignorieren,
wenn er überleben und auf Dauer Erfolg haben will.

Um nicht ausschließlich vom Kerngeschäft Tourismus abhängig zu sein, benötigen
wir ergänzende wirtschaftliche Standbeine.

Unsere Stadt besteht aus der Kernstadt im Albtal und aus den Höhenorten
Bernbach, Neusatz und Rotensol. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, die
Ortsteile zusammenzuführen. Wir streben dafür eine Wertgleichheit der Lebensverhältnisse
an.

Die verbliebenen Zeugnisse der Zisterzienser geben unserer Stadt durch die
Überreste der ehemals erhabenen Klosteranlage und dem daraus entstandenen
Stadtkern eine besondere historische Prägung.

Unsere waldreiche Mittelgebirgslandschaft, die innerstädtischen Grünzüge und
unsere Gewässer als naturnahe, intakte Umwelt auch für nachfolgende Generationen
zu erhalten, ist für uns eine wichtige Zukunftsaufgabe.

Wir sind uns bewusst, dass unsere Stadt sehr viel Veränderung braucht, um den
zukünftigen Herausforderungen gewachsen zu sein. Den dafür erforderlichen
Erkenntnissen und dem daraus abzuleitenden gemeinsamen Handlungsbedarf
verschließen wir uns nicht. Wir wissen, dass der Erfolg von Vorhaben nur in
deren Umsetzung liegt.

I. Tourismus, Freizeit, Kultur und Standortmarketing

1. Bad Herrenalb ist eine Tourismusstadt, in der Tradition und Moderne
eine produktive Verbindung eingehen. Heilklima, Wasser, Wald und
Berge in unverbrauchter Landschaft sind naturgegebene Vorteile, die es
sinnvoll zu nutzen gilt. Die Ortsteile entwickeln dabei eigenständige Profile.
Wir verstehen uns als Alternative zur Hektik der Nonstop-
Gesellschaft, indem wir Oasen der Entspannung und Erholung bieten.

1.1. Die touristische Erneuerung benötigt auf der Angebotsseite ein sehr hohes
Maß an Kundenorientierung, besseren Service und Investitionen in der räumlichen
Ausstattung. Die Hotel- und Gaststättenbetreiber beteiligen sich dafür
an einer externen Bewertungsinitiative nach dem Motto: “Von den Marktführern
lernen.“

1.2. Neben den traditionellen Kurgästen gilt es neue Zielgruppen wie „junge Alte“
und gesundheitsorientierte Führungskräfte durch spezielle Angebote zu erschließen.
Hochwertige Fitness- und Wellnessangebote sowie Antistress- und
Erlebnispakete stehen dabei im Vordergrund.

1.3. Bad Herrenalb ist gesundheitsorientiert und nicht krankheitsfixiert. Neben
den klinischen Einrichtungen stärken wir die Ganzheitsmedizin und alternative
Therapien. Auch meditative Ansätze werden einbezogen.

1.4. Bad Herrenalb profiliert sich mit intakter Natur, Erlebnis- und gastronomischen
Angeboten wieder als Naherholungs- und Ausflugsgebiet von Karlsruhe
und Rhein-Neckar. Für Kongress- und Messebesucher aus Karlsruhe bietet
Bad Her-renalb komfortable Hotels und Programme zum Ausspannen in einem
Paket mit Transferangeboten der Albtalbahn.

1.5. Wir erweitern den Seminar- und Tagungstourismus für die Großstädte der
Umgebung. Akademien und Schulungszentren – auch von Wirtschaftsunternehmen
der Region – finden bei uns optimale Rahmenbedingungen, die wir
offensiv bewerben.

1.6. Die Entwicklung zum Zweit- und Dritturlaub unterstützen wir mit aufeinander
abgestimmten Erlebnisangeboten.

1.7. Für ökologisch orientierte Kunden bieten wir das Naturerlebnis als Programm
für Kurzaufenthalte mit Jogging, Walking, Radfahren, Wandern und Vollwertangeboten.
Das Thermalbad, ein vorbildliches Wanderwegenetz und beispielsweise
der Quellenerlebnispfad erhalten dabei ein besonderes Gewicht.

1.8. Wir wenden uns gezielt den europäischen Nachbarn mit der ganzen Bandbreite
unserer touristischen Dienstleistungen und unseren landschaftlichen
Vorzügen zu. Mehrsprachigkeit in den Dienstleistungen ist dabei unentbehrlich.

1.9. Der Kurkrise begegnen wir auch durch gezielte Bewerbung von Selbstzahlern.
Wir setzen dabei der Billigkonkurrenz aus den osteuropäischen Ländern
einen hohen Qualitätsstandard, Erlebnispakete und günstige Pauschalangebote
entgegen.

1.10. Das Thermalbad hat strategische Bedeutung für unsere Neupositionierung
im Bereich Erholung und Entspannung. Mit
neuen Angeboten, Klangtherme, Prießnitz-Orientierung und
einer überragenden Servicekultur streben wir einen vorderen
Platz unter den renommierten Badeorten an. Wir setzen dabei
primär auf Direktmarketing mit Stammgastprogramm, aber
auch auf kooperatives Marketing wie zum Beispiel mit dem
ZKM in Karlsruhe

1.11. Wir prüfen die Ansiedlung von Einrichtungen für touristische Aus- und Fortbildung.
Bereits vorhandene Anbieter entsprechender Disziplinen werden
einbezogen.

1.12. Klosteranlage, Kurpark und Therme sind innerörtliche Ruhezonen für Einwohner
und Gäste. Das Kurhaus bietet Raum für Kommunikation und Kreativität.
Wir verbreitern die Zielgruppen durch stärkere Einbeziehung neuer
Medien.

2. Die touristischen Einrichtungen und Angebote für die Gäste erhöhen
auch den Freizeitwert für die einheimische Bevölkerung. Wir verbessern
die Lebensqualität durch eine angemessene Weiterentwicklung der Freizeitinfrastruktur
und -programme.

2.1. Wir fördern den Breiten- und Vereinssport in der Kernstadt und in den Ortschaften
entsprechend unseren finanziellen Möglichkeiten. Damit ermöglichen
wir allen Bürgerinnen und Bürgern sowie Gästen eine gleichermaßen
sinnvolle Freizeitgestaltung.

2.2. Golf, Tennis und Reiten sind tourismuswirksame Sportarten, die in Verbindung
mit Hotel- und Gastronomiepaketen ausgebaut und aktiver vermarktet
werden.

2.3. Wir erweitern die Sportangebote, um weitere Zielgruppen zu erreichen. Duathlon
und Skating sind dafür mögliche Beispiele.

2.4. Die Topografie von Bad Herrenalb nutzen wir in größerem Umfang für
Mountain-Bike-Programme mit gastronomischen Angeboten.

2.5. Bei einer Weiterentwicklung unseres Freibades prüfen wir die Varianten eines
Spaß- und Erlebnisbades sowie eines Naturbades.

3. Unsere kulturellen Veranstaltungen weisen eine hohe Vielfalt auf. Um
mehr Tagesgäste sowie Bürgerinnen und Bürger zu erreichen, ist eine offensivere
Selbstpräsentation notwendig. Wir profitieren aber auch von
den Kulturangeboten in Karlsruhe und Baden Baden und werben damit
bei unseren Gästen. Eine regionale Abstimmung des Kulturangebotes ist
dabei selbstverständlich.

3.1. Durch Stadtfeste wie das Klosterfest vitalisieren wir das Stadtleben für Einwohner
sowie Gäste und fördern das Geschichtsbewusstsein unserer Stadt.
Die Vereine aller Ortsteile bringen sich dabei mit interessanten Beiträgen ein.

3.2. Anspruchsvolle Instrumentalkonzerte profilieren die Stadt auf hohem Niveau.
Klosterkonzerte und Reihen wie das Klavierduofestival haben eine große Bedeutung
für die kulturelle Vielfalt der Stadt.

3.3. Das Bahnhofsfest findet große regionale Beachtung und fördert die örtliche
Gastronomie. Auch der Einzelhandel profitiert von den Besucherströmen
durch eine unverwechselbare Selbstpräsentation.

3.4. Das Sommertheater ist für alle Akteure ein kreatives und integrierendes Erlebnis.
Es unterhält anspruchsvoll und verbindet die Menschen in unserer
Stadt. Auch hier streben wir eine noch größere Außenwirkung an.

3.5. Damit auch die Jugendlichen kulturell angesprochen werden, veranstalten wir
Open-Air-Konzerte und Jugenddiscos, für die auch regional geworben wird.

3.6. Kleinkunst und Straßenkunst ergänzen den Kulturbetrieb. Kabarett und Kino
im Kurhaus sprechen mit ihrem Programm ein Publikum von jung bis alt an.

3.7. Unsere Vereine sind wichtige Kulturträger. Sie bereichern das kulturelle
Stadtleben mit Unterhaltungs- und Heimatabenden, Musik- und Gesangsveranstaltungen
im Kurhaus und in den Ortsteilen.

4. Der traditionell hohe Bekanntheitsgrad unserer Stadt ist eine Chance,
um mit hochwertigen Angeboten und Dienstleistungen „Bad Herrenalb“
zu einer dynamischen Marke mit hohem Marktwert und großer Anziehungskraft
zu machen.

4.1. Wir brauchen mehr Kommunikation unter den touristischen Anbietern und
mehr Offenheit im Umgang miteinander. Nur so können wir unsere Marktchancen
realistisch einschätzen und marktfähige Produkte bilden. Zwischenschritt
muss dabei ein professionelles Innenmarketing sein.

4.2. Zur einheitlichen Außendarstellung benötigen wir ein möglichst stilreines
Ensemble der einzelnen Produkte. Voraussetzung ist eine selbstkritische Bestandsaufnahme
und lösungsorientierte Kommunikation darüber, was marktfähig
ist und was nicht.

4.3. Zur ehrlichen Selbsteinschätzung gehört eine freiwillige und schonungslose
Qualitätskontrolle der Einrichtungen und ihrer Marktbeiträge. Die Stadt wirbt
nur für jene Betriebe, die mitmachen und halten, was sie versprechen.

4.4. Zur Imagebildung pflegen wir positive Begriffe wie Gesundheit, Entspannung,
Erlebnis, Kommunikation, Kreativität und intakte Natur.

4.5. Tourismusakteure, Kurverwaltung und aktive Bürgerschaft arbeiten gemeinsam
und beständig an der Aufwertung des Standortes Bad Herrenalb, um ihn
einmalig und unverwechselbar zu machen. Wir messen den Erfolg durch regelmäßige
Gästebefragungen und quantifizierbare Entwicklungszahlen aus
Hotel- und Gesundheitseinrichtungen.

 

II. Wirtschafts-, Handels- und Gewerbeentwicklung,
Verwaltung

1. Im Zentrum der Wirtschaftstätigkeit von Bad Herrenalb steht der Tourismus,
der wegen der veränderten Rahmenbedingungen grundsätzlich
neu ausgerichtet wird. Die weiteren wirtschaftlichen Funktionen sind ebenfalls
wichtig und ergänzen die strukturelle Ausrichtung, besonders
für eine unabhängigere Zukunft.

1.1. Wir sehen ein wirtschaftliches Zukunftspotenzial in der Ansiedlung von Kreativschmieden,
Planungsbüros und Dienstleistern aus den Kommunikationsund
Informationstechnologien. Wir betreiben aktiv die Nutzung vorhandener
städtischer Bestände.

1.2. Wir positionieren den Standort Bad Herrenalb offensiv in der Technologieregion
Karlsruhe, indem wir die Stadt als Standort für innovatives und kreatives
Arbeiten profilieren.

1.3. Zusammen mit ortsansässigen Geldinstituten betreiben wir gezielte Start-up-
Förderung. Wir halten die Einrichtung eines Gründerzentrums für überlegenswert,
weil Existenzgründungen wichtig für die wirtschaftliche Umstrukturierung
sind.

2. Gewerbe- und Handelsentwicklung bedeutet bei uns in erster Linie Verbesserung
der Situation für das Handwerk und Optimierung des Einzelhandels.

2.1. Zur Abrundung des gewerblichen Angebots und für die Sicherung der Wirtschaftskraft
benötigt unsere Stadt dringend eine Handwerkerzone. Freiwerdende
Kapazitäten im Stadtkern können anderen Funktionen zugeführt werden.
Auch die Ortsteile mit ihren Flächenangeboten sind in die Überlegungen
mit einzubeziehen.

2.2. Das ehemalige Sägewerkgelände muss gewerblich genutzt werden und dabei
durch ansprechende Gestaltung den Ortseingang aufwerten.

2.3. Der Einzelhandel braucht eine Neuausrichtung seiner Angebotspalette, eine
gründliche Sortimentspflege und konsequente Kundenorientierung, um das
Einkaufen zu einem Erlebnis zu machen und mehr Kaufkraft zu binden.

2.4. Eine Bedarfsanalyse und ein daraus abgeleitetes Einzelhandelskonzept legt
fest, in welcher Größenordnung eine Angebotserweiterung in den SortiLeitbild
für die zukünftige Entwicklung der Stadt Bad Herrenalb 6
mentsbereichen Lebensmittel, Textil und Bekleidung, Bau- und Handwerkerbedarf
sowie Mobiliar und Antiquitäten realistisch ist.

2.5. Ein höherer Organisationsgrad der Einzelhändler ist wünschenswert. Dadurch
können diese ihre Interessen besser bündeln und strategische Entscheidungen
schneller umsetzen.

2.6. Kundenorientierung macht eine Abstimmung über einheitliche kundenfreundliche
Ladenschlusszeiten zwingend.

2.7. Um gemeinsam Standortvorteile nutzen zu können, brauchen wir mehr Eigeninitiative,
Kommunikation und Kooperation in Gewerbe, Einzelhandel,
Tourismuswirtschaft und Verwaltung.

3. Die Stadtverwaltung und die ihr zugeordneten Bereiche entwickeln sich
zu einem bürgernahen und kundenorientierten Dienstleistungszentrum
mit hohem Kostenbewusstsein.

3.1. Das gut angenommene positive Beispiel des Bürgerbüros begreifen wir als
Beginn einer schrittweisen Modernisierung unserer Stadtverwaltung bis hin
zur Einführung eines Neuen Steuerungsmodells.

3.2. Längerfristig ist damit eine neue Arbeitsteilung zwischen Rat und Verwaltung
verbunden. Die Grundlinien der Kommunalpolitik werden dabei vom
Rat, die Art der Umsetzung sowie die ständige Weiterentwicklung von der
Verwaltung bestimmt.

3.3. Moderne Kommunikationsmittel werden in der Verwaltung konsequent eingesetzt.

3.4. Im Verhältnis der Kernstadt zu den Ortsteilen arbeiten wir auf eine von allen
Seiten akzeptierte funktionale Arbeitsteilung hin, bei der die Servicefunktionen
in den Ortsteilen gewährleistet sein müssen.

3.5. Unsere örtlichen Interessen als Stadt in der Randlage bringen wir verantwortungsvoll
und pragmatisch in den Landkreis Calw und in die Region Karlsruhe
ein. Die Nähe zu Karlsruhe sehen wir als Chance, um uns als naturreicher
Nachbarort mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität zu profilieren. Der
Tourismus-Sektor hat dabei die wichtigste Rolle.

3.6. Die Stadtverwaltung unterstützt qualifiziert und professionell die Bürgerinnen
und Bürger sowie die örtliche Wirtschaft bei der Neuausrichtung des Tourismus
und der gesamten übrigen Wirtschaft. Auch die Freiberufler spielen dabei
eine wichtige Rolle.

 

III. Verkehr, Infrastruktur und Umwelt

1. Bad Herrenalb ist über Straße und Schiene gut zu erreichen. Auch die SBahn
ist hervorragend an den Großraum Karlsruhe angebunden und
wird durch den Albtal-Radweg positiv ergänzt. Diese Standortvorteile
nutzen wir für die Entwicklung unserer Stadt.
Das vorhandene Straßennetz stößt an den Wochenenden teilweise an die
Grenzen seiner Belastbarkeit.

1.1. Der „sanfte Tourismus“ profitiert von der Verbindung ÖPNV und Fahrradverkehr.
Umweltverträgliche Paketangebote richten sich an spezifische Zielgruppen.

1.2. Radwege und Serviceeinrichtungen für Fahrräder machen die Stadt insgesamt
fahrradfreundlicher.

1.3. Wir erarbeiten wirksame Konzepte, um die innerörtliche Verkehrsbelastung
zu verringern. Auch für große Lösungen wie Umgehungen und Unterführungen
gibt es keine Denkverbote. Sie müssen aber machbar sein.

1.4. Wir prüfen eine Verbesserung des örtlichen ÖPNV-Angebotes hinsichtlich
der Verbindungen Kernstadt, Gaistal und Ortsteile. Auch die Regionalverbindung
nach Baden Baden ist ausbaubedürftig.

1.5. Bad Herrenalb braucht für die Kernstadt ein Parkkonzept, das Konflikte aufnimmt
und Lösungen anbietet, die sowohl den Zielen des Tourismus dienen
als auch von der Bevölkerung akzeptiert werden.

1.6. Als Tourismusstadt sind wir uns der Umweltbelastung durch den Autoverkehr
bewusst. Wir versuchen deshalb, den Quellverkehr gering zu halten und
den Zielverkehr so zu steuern, dass er die Lebensqualität in unserer Stadt
möglichst wenig belastet.

2. Luft und Klima, Wasser, Wald und Berge sind wichtige natürliche Voraussetzungen
für eine hohe Lebensqualität in der Kernstadt und in den
Ortsteilen. Um diese naturgegebenen Vorteile zu wahren, streben wir eine
nachhaltige Entwicklung der Lebensbedingungen in unserer Stadt an.

2.1. Wir pflegen die innerstädtischen Grünzüge als ökologische Markenzeichen
unserer Stadt. Die Schweizerwiese und der Kurpark sind unverzichtbare Bestandteile
einer Grünflächenvernetzung.

2.2. Bei der dringend nötigen Fortschreibung unserer Flächennutzungsplanung
gehen wir mit unserem Bestand naturnaher Landschaft sorgsam um, weil unsere
ökologisch intakten Flächen und Naturdenkmäler einzigartig sind und
zur Unverwechselbarkeit beitragen.

2.3. Wir nutzen die mythische Kraft des Wassers, um dessen Heilwirkung im Zusammenhang
mit Prießnitz-Therapien und Ganzheitsmedizin noch stärker
herauszustellen.

2.4. Zusammen mit den Stadtwerken und dem örtlichen Handwerk entwickeln wir
in den Höhenorten Schwerpunkte zur Gewinnung regenerativer Energie, insLeitbild
für die zukünftige Entwicklung der Stadt Bad Herrenalb 8
besondere mit Solaranlagen. Als Pilotprojekte für Solartechnik kommen öffentliche
Gebäude in Betracht.

2.5. In der naturnahen Waldbewirtschaftung sehen wir eine Chance, standortgerechte,
stabile Mischwälder zu entwickeln, die nachhaltig ökonomische, ökologische
und soziale Ansprüche der heutigen und künftigen Generationen erfüllen.

2.6. Sanfter Tourismus und Landschaftsmarketing heben den Stellenwert des Naturerlebnisses
und tragen zur ressourcenschonenden wirtschaftlichen Nutzung
bei.

2.7. Die Landwirtschaft trägt eine hohe Verantwortung für die Pflege der Landschaft
und des Bodens sowie für den Schutz des Grundwassers. Der ökologisch
orientierte Landbau fördert den sanften Tourismus und die vollwertige
Ernährung.

 

IV. Wohnen, Soziales und das „Miteinander“

1. Bad Herrenalb hat einen hohen Wohnwert durch seine landschaftliche
Lage, das historische Stadtbild mit den Parkanlagen, die gute Erreichbarkeit
und seine Ausstattung mit Gesundheits- sowie Freizeiteinrichtungen.
In der Bauleitplanung achten wir auf die Erfordernisse des Tourismus
und auch auf die Bedürfnisse junger Familien.

1.1. Wir schaffen Wohnbauflächen für junge Familien, um allen Generationen
eine Zukunft in unserer Stadt zu geben. Dabei betrachten wir die Stadt als
Ganzes und behalten die Landschaftsverträglichkeit im Auge.

1.2. Wir verbessern die Wohnqualität durch ortstypische Weiterentwicklung des
Stadtkerns und der Ortschaften.

1.3. Die Aufenthaltsqualität auf Straßen und öffentlichen Plätzen erhöhen wir
durch Planungen, die zwischen privaten Grundeigentümern und der Stadt abgestimmt
werden. Dazu gehören der Denkmalschutz sowie Unterhaltungsund
Ausbaumaßnahmen, aber auch Sauberkeit auf Straßen und Plätzen.

2. Bad Herrenalb ist eine gastfreundliche, soziale und tolerante Stadt, in
der Einheimische und Gäste aller Nationalitäten gerne gemeinsam leben.
Vereine, ehrenamtlich Engagierte, Kirchen und sonstige öffentliche Institutionen
leisten einen wertvollen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration.

2.1. Die vorhandenen Gesundheits- und Kureinrichtungen kommen traditionell in
erster Linie den älteren Menschen zugute. Kinder, Jugendliche und Familien
haben demgegenüber an sozialer Infrastruktur einen Nachholbedarf, dem wir
uneingeschränkt Rechnung tragen.

2.2. Wir erhöhen die Kinderfreundlichkeit unserer Stadt im Stadtbild, in öffentlichen
Einrichtungen und in unseren sozialen und kulturellen Angeboten.

2.3. Unserer Jugend bieten wir eine stärkere Einbeziehung ins örtliche Gemeindeleben
durch eine eigene Vertretung und zielgruppengerechte Freizeitprogramme,
aber auch, indem wir die „offene“ Jugendarbeit und die der Vereine
sowie Kirchen fördern. Wir unterstützen Initiativen für mehr Sicherheit auf
den Straßen.

2.4. Für das Zusammenleben in unserer Stadt leisten die Vereine einen unschätzbar
wertvollen Beitrag. Sie sind in ihrer Außenwirkung wichtige Werbeträger
und ermöglichen eine große Vielfalt unterschiedlicher Freizeit-, Sport- und
Kulturaktivitäten. Wir würdigen dieses Engagement und werben für das Ehrenamt.

2.5. Um die Kräfte zu bündeln und Reibungsverluste zu minimieren, intensivieren
wir die vereinsübergreifende Zusammenarbeit und Terminabstimmung durch
einen „runden Tisch“.

2.6. Die beiden großen christlichen Glaubensgemeinschaften setzen durch ihre
ökumenische Zusammenarbeit positive Zeichen und fördern die soziale Stabilität.

2.7. In der Sensibilität gegenüber Behinderten sehen wir eine Daueraufgabe. Das
gilt für den sozialen Umgang ebenso wie für die Stadtgestaltung.

2.8. Die ältere Generation hat mit ihren Erfahrungen in unserer Stadt einen besonderen
Stellenwert. Mit gezielten Maßnahmen wirken wir der Vereinsamung
im Alter entgegen. Spannungen und Missklänge zwischen den unterschiedlichen
Altersgruppen verringern wir durch Offenheit und Dialogbereitschaft,
aber auch durch mehr Kontakte.

Wir arbeiten an der Entwicklung eines stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühls
für Kernstadt und Ortsteile, um eine gemeinsame Stadtidentität
zu erlangen.

Stadtentwicklungsprozess und Bürgerbeteiligung sind für uns der Beginn
einer neuen Kultur der örtlichen Kommunikation. Wir versprechen
uns davon bleibende Anstöße für konstruktive und tolerante Umgangsformen
zwischen den hier lebenden Menschen, unabhängig von deren sozialer
Stellung und Funktion.

https://www.grueneliste-badherrenalb.de/wp-content/uploads/2020/08/Leitbild-für-die-zukünftige-Entwicklung-1.pdf