Mein Garten im Winter

Zur Stadtentwicklung 2030 hat der Gemeinderat auch beschlossen, Natur-und Umweltschutz in Bad Herrenalb weiter zu entwickeln. So steht dort auch, eine Insekten freundliche Stadt zu sein und auf Glyphosat verzichten zu wollen. Im Vergleich mit vielen anderen Zielsetzungen lassen sich geeignete Beiträge hierzu recht einfach, unmittelbar und kostenlos umsetzen. Alle, die mit Gärten,

Wiesen und anderen Grünflächen zu tun haben, können für Vielfalt, Artenschutz und Bodengüte sorgen. Das möchte ich zur Anregung am Beispiel meines Gartens im Winter verdeutlichen.

Im Garten wachsen zahlreiche Hecken- und Baumgehölze, Wildpflanzen und Kräuter sowie Stauden und Rosen, Grasflächen verbinden die Pflanzenbeete. Der Garten kommt ohne Anwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln zurecht. Die meisten Gehölze werden ein- bis zweimal im Jahr zurückgeschnitten bzw. zur Nachbarschaft hin gestutzt. Schnitt- und Pflanzengut kommen in der Regel auf den Komposthaufen, der ca. drei Meter lang und knapp zwei Meter hoch ist; gebrauchsfähiger Kompost wird von unten herausgeholt.  Ein Reisighaufen und Tümpel bieten ergänzende Lebensräume. Soweit zur Charakteristik.

Zum Spätherbst hin fällt sehr viel Laub an; das ganze Laub wird zusammen gerecht und auf die Beete und zwischen die Heckengehölze verteilt. Pflanzkübel mit frostempfindlichen Kräutern

sind dabei mit eingebunden. So ist alles mit einem dicken Schutzmantel eingehüllt.

Die langen Stängel von Gebüschen und Stauden bleiben stehen und sind damit Schutz vor Verwehungen und Wohnraum zahlreicher Insekten-, Weichtier- und Spinnenarten. Auch die Sämereien der Pflanzen sind für die Vögel und Kleintiere wichtige Nahrungsquellen. Zur Erhaltung und Förderung des Blüten- und Bodenlebens werden die Grasflächen nur sehr zurückhaltend und ab Frühherbst gar nicht mehr gemäht. Damit ist der Garten für den Winter – soweit er noch kommt – gut gerüstet. Während dieser Jahreszeit tauchen verstärkt neue Vogelarten, Spitzmäuse und andere Kleinsäuger auf und zum Winterende kommen Erdkröte, Blindschleiche, Insekten und Spinnen aus dem Laub und Verstecken hervor. Das meiste Laub zersetzt sich und reichert den Humus an. Dies alles macht Freude und sollte zum Mitmachen auffordern.

Auch auf vielen Grünflächen und -anlagen in der Stadt könnten vermehrt solche Beweggründe umgesetzt werden. Zum ordentlich aussehen müssen nicht unbedingt lautstarke Laubgebläse

herhalten; mit einer ökologisch bewussten und entsprechend vermittelten Grundhaltung lässt sich eine breite Akzeptanz für Wildwiesen, braune Staudenflächen und Laub unter den Hecken erreichen. Lobenswerterweise ist festzuhalten, dass Einiges davon schon in den Arbeitsplänen der Stadt Eingang gefunden hat,

Michael Theis